Podcast Schweizer Gemüse Podcastfolge 21 - Schweizer Peperoni: Warum sie eine Ausnahme ist

21. Folge - Peperoni aus der Schweiz: Warum sie eine Ausnahme ist

Wieso landen die meisten Peperoni auf unseren Tellern aus Spanien oder den Niederlanden – und nicht aus hiesiger Produktion? In dieser Folge geht Dani der Sache auf den Grund und besucht Thomas Beerstecher, einer der wenigen Peperoni-Produzenten der Schweiz. Die Peperoni gilt unter den Gemüsegärtner/-innen als echte Diva: Sie braucht viel Wärme, ist anfällig für Schädlinge und verlangt während der ganzen Saison intensive Pflege. Hinzu kommt: Anders als bei anderen Gemüsesorten fehlt der Peperoni ein Grenzschutz, was den Import aus dem Ausland zusätzlich begünstigt. Bei Beerstecher erfährt Dani, was es braucht, damit die Schweizer Peperoni im Gewächshaus gedeiht und wie der Betrieb mit diesen Herausforderungen umgeht.

Peperoni ist das drittmeist gegessene Gemüse von Herr und Frau Schweizer: Fünf Kilogramm pro Kopf, pro Jahr. Aber: Nur 60 Gramm davon werden in der Schweiz produziert. Also 98,8 Prozent kommen aus dem Ausland! Hä, wie bitte?!

In dieser Podcastfolge gehen wir auf Spurensuche. Und landen in Hinwil ZH, beim grössten Schweizer Peperoni-Produzenten Thomas Beerstecher. Schon sein Urgrossvater baute Gemüse an – etwa 100 verschiedene Arten. Der Grossvater produzierte noch 50 verschiedene Gemüse-Sorten, der Vater von Thomas 30 und er selbst noch 15 bis 20. 

Warum diese Abnahme? Liegt auf der Hand: Der Urgrossvater bediente direkt die Märtkundschaft auf dem Zürcher Bürkliplatz und wollte ein möglichst breites Sortiment anbieten können. Heute wird vor allem für Grossverteiler produziert. Und das in viel grösseren Mengen. In Hinwil wachsen auf einer Hektare Gewächshausfläche Peperoni.

Doch zurück zum Einstiegs-Schock: Wir essen so fleissig Peperoni und doch kommen fast 99 Prozent aus dem Ausland – wieso? «Für Peperoni gibt es keinen Grenzschutz», sagt Thomas Beerstecher. «Sie können demnach günstig importiert werden.» Es lohne sich entsprechend für viele Schweizer Gemüseproduzenten nicht, da mitzumachen.

Allerdings ist die Nachfrage nach Schweizer Peperoni enorm. Bereits vor rund 10 Jahren hat ein Schweizer Detailhändler bei der Beerstecher AG angefragt, ob hier Peperoni produziert werden könnten. Man fand sich im Preis – seither läuft die Zusammenarbeit. Weitere Detailhändler sind eingestiegen. «Wir könnten heute das Dreifache produzieren», sagt Thomas.

Aber da kommt ein nächstes Problem: Die Peperoni hat einen nicht ganz so einfachen Charakter. So braucht sie es zwei bis drei Grad wärmer als die Tomate, was natürlich energieaufwändig ist. Und sie hat viele Verehrer und Stalker: Weisse Fliegen, Läuse, Wanzen. Die Beerstecher AG gibt pro Jahr 40’000 Franken für den Nützlingseinsatz aus. Das sind doppelt so hohe Kosten wie bei der Tomate.

Oh ja, die Peperoni ist eine Herzensangelegenheit. Und Thomas und seine Crew geben alles, dass es ihr am Fusse der Kehrichtverbrennungsanlage Zürcher Oberland (KEZO) gut geht. Apropos Verbrennungsanlage: Genau dieser Standort bringt grosse Vorteile. «Wir können die Abwärme aus der KEZO nutzen.» Es sei dabei keine klassische Fernwärme – die KEZO produziere selbst Strom: Die Abfallwärme aus der Stromproduktion wird dann ins Gewächshaus geleitet und sorgt dort für angenehme 25 Grad.

So sorgt also eine Müllverbrennung am Ende dafür, dass das drittmeist gegessene Gemüse der Schweiz gut gehegt und gepflegt wird. Wie viel Herzblut sonst noch in Deinen 60 Gramm Schweizer Peperoni steckt, hörst Du in dieser Folge.