Podcast Schweizer Gemüse Podcastfolge 20 - Die Diva unter den Gemüsen: Die Zwiebel
20. Folge - Die Diva unter den Gemüsen: Die Zwiebel
16 000 000 000. Was für eine beeindruckende Zahl. Ja, 16 Milliarden DNA-Bausteine umfasst eine einfache Küchenzwiebel. Damit ist ihr Genom (Erbinformation) rund fünfmal so gross wie das des Menschen. Wahnsinn!
Nicht schwer vorstellbar, dass eine so vielschichtig aufgebaute Pflanze Ansprüche hat. «Die Zwiebel ist kompliziert. Sie ist eine Diva», sagt Hans Ott, der Chef von Ott Gemüsebau im thurgauischen Basadingen.
Diese Diva rührt uns zu Tränen, sie hilft uns dabei, gesund zu bleiben und sie schenkt ein gutes Aroma: Die Zwiebel ist der Liebling der Schweizerinnen und Schweizer. 42 000 Tonnen werden jährlich hierzulande angebaut. Alles, was es an verschiedenen Zwiebeln gibt, finden wir auf dem Betrieb von Hans Ott. Überall sind Mitarbeitende zu sehen, die waschen, rüsten, einpacken. Es werden Lastwagen beladen, es kurven Gabelstapler umher – es gibt sogar eine eigene Werkstatt.
Und das alles nur für die kleine Zwiebel-Diva, die uns zum Weinen bringt. Aber wieso weinen wir eigentlich? Und wieso löst nicht jede Zwiebelart gleichermassen das Augenwasser? «Im Sommer gesäte Zwiebeln, die wir im Herbst ernten, sind würziger und schärfer als diejenigen Sorten, die im Frühling wachsen», erklärt Ott.
Schweizer Zwiebeln haben das ganze Jahr Saison. Von November bis Mai kommen sie aus dem Lager – die restliche Zeit meist ziemlich direkt vom Feld. Wobei das Wetter mitspielen muss, damit die Diva schnell in der Bratpfanne landet. Als wir Ende Mai bei Herrn Ott zu Besuch waren, sorgte gerade eine Hitzeperiode für Schwitzattacken. «Ich hätte die Zwiebeln gerne diese Woche aus dem Boden geholt. Aber wenn wir bei über 30 Grad die feinen, zarten Zwiebeln, die über den Winter gewachsen sind, zum Trocknen nach draussen legen – bekommen sie einen Sonnenbrand», erklärt Ott.
Darum werden in Basadingen bei 30 Grad und mehr keine Zwiebeln angefasst. Denn nachdem der Kettenbandroder die Zwiebeln aus dem Boden hievt, bleiben sie zunächst einige Tage liegen – um zu trocknen. Ausser es ist Regen angesagt, dann werden sie ins Lager gebracht.
Gleich zu Beginn der Podcastfolge erwähnt Hans Ott, die Zwiebel sei eine Diva. Wie äussert sich das? Die Samenproduktion sei heikel und gelinge nicht immer. Auch auf die Unkrautbekämpfung reagiere sie schnell betüpft.
Die Diva ist sehr beliebt, der Versorgungsgrad in der Schweiz gigantisch. Und doch lässt sich der Absatz nicht stark beeinflussen. Ott sagt dazu: «Wenn wir mal 20 oder 30 Prozent höheren Ertrag haben, bringen wir die Zwiebeln nicht so leicht weg.» Wieso? Die Zwiebel ist ein Beigemüse. Sie macht das Essen besser, gesünder und steht dabei selten selbst im Vordergrund. Eigentlich untypisch für eine Diva.
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