30.05.2018

Argumente gegen die Initiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide»

Was will die Initiative?
Die Initiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» will synthetische Pflanzenschutzmittel (PSM) in der landwirtschaftlichen Produktion, der Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse und der Boden- und Landschaftspflege verbieten. Zudem soll auch die Einfuhr zu gewerblichen Zwecken von Lebensmitteln, die synthetische Pflanzenschutzmittel enthalten oder mithilfe solcher hergestellt worden sind, strafbar werden. Die Initianten versprechen sich davon sinkende Produktionskosten für die Produzenten, sinkende Gesundheitskosten für den Staat sowie positive Auswirkungen auf Tiere und Umwelt. Gemüseproduzentinnen und Gemüseproduzenten sind direkt von der Initiative betroffen. Sie wären gezwungen, künftig gänzlich auf den Einsatz von einer Vielzahl von notwendigen PSM zu verzichten.
 
Politische Ausgangslage
Absender der Initiative ist die unpolitische und parteiungebundene Bürgerbewegung Future3. Sie wird von wenigen kleineren Organisationen unterstützt, etwa dem Schweizerischen Fischerei-Verband und dem Magazin Petri-Heil sowie von verschiedenen Einzelpersonen. 
Das Initiativkomitee hat die benötigten Unterschriften Ende Mai 2018 bei der Bundeskanzlei eingereicht. Diese prüft nun, ob das notwendige Quorum von 100'000 gültigen Unterschriften erreicht wurde. Die Initiative wird voraussichtlich 2020/2021 in den eidgenössischen Räten behandelt und 2021/2022 zur Abstimmung kommen. Zeitlich parallel wird auch die Agrarreform 2022 in Verwaltung und Parlament ausgearbeitet. Auch die Trinkwasserinitiative wird parallel dazu behandelt.

Argumente gegen die Initiative


Die Initiative verteuert den Gemüseanbau in der Schweiz
Der gezielte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (PSM) ermöglicht die Produktion von genügend Schweizer Gemüse in der verlangten Qualität. Ohne Einsatz von PSM könnten die Gemüsegärtnerinnen und Gemüsegärtner ihre Kulturen nur ungenügend vor Krankheiten, Schädlingen und der Konkurrenz von Unkräutern schützen. Erheblich grössere Anbauflächen wären zur Produktion der erforderlichen Gemüsemenge nötig. Die ohnehin kostspielige Produktion würde dadurch noch teurer und würde sich in der Schweiz nicht mehr lohnen. Der Verlust von Arbeitsplätzen und entsprechendem Know-How wäre die Folge.
NEIN zur Initiative, weil sie den einheimischen Gemüseanbau bedroht.
 
Die Initiative reduziert die Selbstversorgung mit Schweizer Gemüse
Ohne den Einsatz von PSM könnten Schweizer Gemüsegärtnerinnen und Gemüsegärtner nur noch deutlich weniger Gemüse und Gemüsesorten als bisher produzieren. Sie bräuchten wesentlich mehr Fläche für weniger Ertrag. Die Selbstversorgungsquote würde drastisch sinken. Um die Nachfrage befriedigen zu können, müsste der Handel vermehrt Gemüse aus dem Ausland importieren. Die Kontrolle der ausländischen Gemüseproduzenten, welche die neuen Auflagen erfüllen und ebenfalls ohne synthetische Pflanzenschutzmittel produzieren müssten, wäre kostspielig und bürokratisch. Ein Preis, den die Konsumentinnen und Konsumenten zahlen müssten. Die Einhaltung der hohen Schweizer Standards für Arbeitnehmende wäre zudem nicht garantiert.
NEIN zur Initiative, weil sie zu ökologisch und sozial fragwürdigen Importen aus dem Ausland führt.
 
Die Initiative berücksichtigt nicht die Entwicklungen im Gemüsebau
Schweizer Gemüsegärtnerinnen und Gemüsegärtner sind innovative Unternehmerinnen und Unternehmer. Sie entwickeln sich ständig weiter und orientieren sich an den Marktbedürfnissen. Sie verringern den Einsatz von PSM kontinuierlich und haben zusammen mit dem Detailhandel Branchenstandards wie SwissGAP und SUISSE GARANTIE geschaffen, die von den Konsumentinnen und Konsumenten geschätzt werden. Der VSGP setzt sich aktiv für eine Weiterentwicklung der Branchenstandards ein und unterstützt den bundesrätlichen «Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln». Ausserdem fördert er Innovationen zum gezielten und zurückhaltenden Einsatz von PSM, wie beispielsweise die Weiterentwicklung und Ausstattung von Pflanzenschutzrobotern mit digitalen Hilfsmitteln. Die Initiative würde diese wirtschaftsverträgliche Weiterentwicklung abrupt stoppen und einen ganzen Sektor gefährden.
NEIN zur Initiative, weil sie die Innovation im Gemüsebau verhindert.
 
Die Initiative erhöht das Risiko von Foodwaste
Als Naturprodukt ist Gemüse den Einflüssen der Umwelt stark ausgesetzt. In jeder Gemüsekultur gibt es daher einen kleinen Teil, der aufgrund von Schäden nicht vermarktet werden kann. Ohne den Einsatz von PSM steigt dieser Anteil. Denn Qualitätsmängel beim Gemüse erhöhen das Risiko, dass die Ware nicht gekauft wird und dadurch mehr Foodwaste entsteht. Das Produktionssystem könnte weniger schnell auf den Konsum reagieren und wäre weniger effizient.
Nein zur Initiative, weil sie Foodwaste fördert.
 
Die Initiative führt dazu, dass einheimisches Gemüse preislich nicht mehr konkurrenzfähig ist
Schweizerinnen und Schweizer konsumieren pro Kopf jährlich rund 83 Kilogramm Frisch- und Lagergemüse. Sie haben dabei die Wahl zwischen Produkten aus verschiedenen Regionen, Preisniveaus und Anbauarten. Eine Wahl, die sie rege nutzen, die aber durch die Initiative gefährdet ist: Denn ohne den Einsatz von PSM gäbe es kein einheimisches Gemüse zu konkurrenzfähigen Preisen mehr. Die Preise von importiertem Gemüse würden aufgrund der hohen Auflagen ebenfalls steigen. Gemüse würde zum Luxusgut, das sich Konsumentinnen und Konsumenten mit knappem Budget nicht mehr leisten könnten.
NEIN zur Initiative, weil sie die Wahlfreiheit der Konsumentinnen und Konsumenten beschränkt.
 
Die Initiative schwächt den Produktions- und Wirtschaftsstandort Schweiz
Mit der Annahme der Initiative würde die Schweiz die Anforderungen an die Produktion von Gemüse erheblich auf ein weltweit vergleichsloses Niveau erhöhen. Mit massiven Auswirkungen auf die Konkurrenzfähigkeit von Schweizer Gemüse: die Preise für Gemüse im Handel, würden erheblich steigen. Eine breite Bevölkerungsschicht könnte es sich fortan nicht mehr leisten, genügend Gemüse in der Schweiz zu kaufen. Eine Alternative bieten würde das nahe Ausland, in welchem nach wie vor mit Pflanzenschutzmittel behandeltes, günstigeres Gemüse erhältlich wäre. Der ökologisch und sozial fragwürdige Einkaufstourismus ist von der Initiative nicht betroffen und würde demzufolge ansteigen. Zudem würde ein Teil der Wertschöpfung in Produktion, Vertrieb und Detailhandel ins Ausland abwandern.
NEIN zur Initiative, weil sie den Einkaufstourismus fördert.
 
Swiss Diva
Schweiz Natürlich