07.04.2014

Mindestlohn hätte existenzielle Auswirkungen auf den Schweizer Gemüsebau

Ein Mindestlohn von 22.-/Stunde würde die saisonabhängige und personalintensive Gemüsebranche lahmlegen. Die zusätzlichen Lohnkosten wären für die Betriebe nicht tragbar und kämen nur ungelernten Mitarbeitenden zugute. Der Anreiz für eine qualifizierte Ausbildung würde geschwächt.

 
Der Verband Schweizer Gemüseproduzenten fasst die NEIN-Parole zur schädlichen Mindestlohninitiative, weil:
  • die Gemüseproduktion sehr arbeitsintensiv ist. Die Gemüseproduzenten könnten eine derart starke Erhöhung des Hauptkostenfaktors Lohnsumme (ca. 35-55% der Produktionskosten sind Personalkosten) nicht verkraften,
  • die Nettomargen in der Gemüseproduktion als Teil der Landwirtschaft gering sind,
  • die Gemüsepreise nicht einfach um 25% erhöht werden könnten,
  • Arbeitsplätze in ländlichen Regionen verloren gingen,
  • kein Anreiz zur Ausbildung mehr bestünde,
  • die Gemüseproduzenten in der Schweiz weiterhin frisches, saisonales und nachhaltig produziertes Gemüse anbauen wollen!
 
Aus Sicht des VSGP kann die Gemüsebranche eine mit dem Mindestlohn eintretende Erhöhung der Gesamtlohnsumme nicht verkraften. Wie in der übrigen Landwirtschaft sind im Gemüsebau Wertschöpfung und Nettomarge gering. Im derzeitigen Umfeld mit extremem Kostendruck wäre es praktisch unmöglich, höhere Produktionskosten mit höheren Preisen zu kompensieren. Die Leidtragenden eines höheren Mindestlohns wären alleine die Gemüseproduzenten und zahlreiche Betriebe müssten aufgeben.
 
Arbeitsintensive Gemüsebauproduktion mit funktionierender Sozialpartnerschaft
Im Gemüsebau verdienen nur ungelernte, meist ausländische Kurzaufenthalter ohne Fachausbildung weniger als 4‘000 Franken pro Monat. Saisonal bedingt beschäftigt ein Gemüsebaubetrieb im Sommer rund doppelt so viele Arbeitnehmende wie im Winter. Ein Grossteil dieser oft ausländischen Kurzaufenthalter kehrt Ende Saison ins Heimatland zurück. Im Gemüsebau wird insbesondere in der Hochsaison mehr als 45 Stunden pro Woche gearbeitet (durchschnittlich 10 Stunden pro Tag im Sommer plus an Samstagen ein halber Tag), denn das Gemüse wächst tagtäglich und muss gepflegt und geerntet werden, wenn das Wetter es zulässt. Während der Spargelsaison beispielsweise, die nur 3 Monate dauert, ist sogar meist ein Mehrfaches an Kurzaufenthaltern angestellt als im Winter.
Mit der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der Berufsverbände landwirtschaftlicher Angestellter (ABLA) besteht eine gute Sozialpartnerschaft. Diese sollte nicht geschwächt, sondern der funktionierende Normalarbeitsvertrag (NAV) gestärkt werden. Das Festlegen von branchenspezifischen Löhnen ist Sache der Sozialpartner. Die Löhne und Arbeitsbedingungen im Gemüsebau sind im NAV geregelt: Jeder Arbeitnehmer verfügt über einen Arbeitsvertrag und viele haben Kost und Logis auf dem Betrieb. Der Mindestlohn beträgt 3200 Franken für ungelernte Mitarbeitende. Sie haben keine langen Arbeitswege, beziehen Esswaren sehr günstig und bezahlen verhältnismässig sehr wenig Miete – die Lebenskosten sind also tief. Und im Vergleich zum Ausland sind die Arbeitsbedingungen sowie die Arbeitszufriedenheit gut und die Löhne hoch. Ein Mindestlohn von 22 Franken pro Stunde für ungelernte Kurzaufenthalter – denn nur diese wären betroffen – wäre im Vergleich mit dem Ausland unverhältnismässig hoch.
 
Gravierende Auswirkungen auf Preise, Lohnsystem und Ausbildung
Der Gemüsekonsum ist steigend, der Anteil inländischer Gemüseproduktion liegt jedoch nur bei 55%. Das restlich benötigte Gemüse wird importiert aus den Niederlanden oder Frankreich, aber auch aus Spanien, Italien oder Marokko – also aus Ländern mit viel schlechteren sozialen Bedingungen, oft keinen Arbeitsverträgen und Löhnen weit unter 10 Euro. Einerseits wäre die Schweiz mit einem Lohn von 22.- Franken pro Stunde noch attraktiver für ausländische Arbeitnehmer. Auf der anderen Seite hätte ein Mindestlohn eine Anpassung auf die ganze Lohnstruktur zur Folge. Wenn ein Arbeitnehmer ohne Fachausbildung 22.- Franken pro Stunde erhält, muss das gesamte Lohnsystem nach oben angepasst werden. Für einen mittelgrossen Betrieb würde dies grosse Mehrkosten bedeuten, da der Personalkosten-Anteil an den Produktionskosten heute zwischen 33% (Beispiel Kopfsalat) und 55% (Beispiel Spargeln) ausmacht. Als einzigen Ausweg sehen die Produzenten, die Gemüsepreise um 25% zu erhöhen, denn der Anbau, die Pflege und die Ernte von Gemüse erfordern weiterhin viel Handarbeit, besonders im Bio-Anbau. Der Preisunterschied zum Ausland darf nicht grösser und damit der Einkaufstourismus gefördert werden. Auf Arbeitnehmer könnte nicht verzichtet werden. Um die hohen Löhne zu umgehen, könnte jedoch Schwarzarbeit zunehmen. Die gesamte Wertschöpfung würde geschwächt und zahlreiche Gemüsebaubetriebe müssten um ihr Überleben kämpfen. Und nicht zuletzt würde der Anreiz zur qualifizierten Ausbildung Gemüsegärtner fehlen!
 
 
 
 
 
Kontakt
Pascal Toffel, Direktor VSGP
Tel. 031 385 36 20  E-Mail: pascal.toffel@gemuese.ch
 
Moana Werschler, Bereichsleiterin Marketing & Kommunikation
Tel. 031 385 36 27 E-Mail: moana.werschler@gemuese.ch
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